Oculus Rift - Mein Erfahrungsbericht nach 1 Jahr

Lange schon wollte ich eine VR-Brille haben, jedoch war sie bis dato zu teuer. Doch als ich am 18. Dezember 2017 in einem online Shop das Oculus Rift Bundle (Rift + Touch) + Robo Recall und ich glaube noch ein paar weiteren Spielen, sofern ich mich nicht täusche, zu einem Angebotspreis von 379,- € sah, musste ich nicht lang überlegen und habe mir das Paket einfach bestellt. Ich sollte es nicht bereuen ... Zudem war sie Versandkostenfrei und ich konnte einen 5€ Gutschein nutzen - so als Notiz am Rande.


Am 20. Dezember 2017 kam sie dann endlich an, meine Güte war der Arbeitstag an diesem Tag lang ... besonders lang ... woran das wohl nur lag?!


Voller Vorfreude kam ich heim, packte das Set aus, habe es an den PC angeschlossen und eingerichtet. Als dies soweit im Setup erledigt war, ging es los in einem kleinen Raum voller Zeug und einem Roboter, welcher recht ängstlich war. Dies war der erste Moment, wo ich geflasht wurde. Ich konnte zuvor einmal auf Arbeit die HTC Vive testen, jedoch waren zig Leute um mich rum und haben miteinander gesprochen, alles wurde einem erklärt und man konnte eigentlich gar nicht in die Virtuelle Realität einsteigen und versinken. Doch nun, wo ich allein das Ganze eingerichtet und in Betrieb genommen habe, die Welt vor meinen Augen einfach aufgetaucht war und diese tollen Controller ebenfalls vor meinen Augen zu richtigen Händen mit teils bewegbaren Fingern wurden. Das war schon sehr immersiv und beeindruckend. Ich war komplett drin und kam bereits in dieser Einführung mit dem Roboter aus dem Staunen und Grinsen nicht mehr raus. Es war einfach ein Moment, an den ich mich noch sehr lange Zeit zurück erinnern werde!




Im Laufe des Nachmittags/Abends habe ich dann natürlich allerhand VR Geschichten ausprobiert. Egal ob das bereits erwähnte Robo Recall, Elite Dangerous oder Google Maps. Alles war faszinierend in der VR zu sehen und zu erleben. Ich wollte am liebsten jedes Spiel, nur noch in VR spielen. Ihr könnt euch sicherlich vorstellen, dass ich somit die nächsten Tage nur noch in der VR war, sobald ich heim kam? ;)


Erschreckend und ein wenig beängstigend muss ich jedoch sagen, dass die VR mich sogar im wahren Leben verfolgt hat. So war es immer wieder ein komisches Gefühl, wenn ich im Wohnzimmer auf dem Sofa lag, es ein wenig dunkler im Raum war und ich mein Smartphone in der Hand hielt. Ich kann es nicht beschreiben, kann jedoch sagen, dass mein Arbeitskollege, welchen ich angesteckt habe, genau das Gleiche Erlebnis hinter sich hatte. Einmal war es bei mir auch so, dass ich Nachts aufgewacht bin, auf Klo gegangen bin und als ich in den Spiegel sah, alles in Grautönen sah und ebenfalls dieser Moment absolut surreal wirkte. Nach rund 2 Wochen hingegen (würde ich jetzt schätzen) sind sämtliche VR-NichtVR Vorfälle nicht mehr aufgetreten. Scheinbar hat der Körper oder das Hirn dann verstanden "Jetzt ist VR Zeit" - "Jetzt ist wieder das wahre Leben angesagt".


Doch kommen wir zum wesentlichen, wieso ich diesen Artikel schreibe. Wie finde ich die Oculus Rift?

Nun, ich muss sagen, sie ist eine klasse erste VR Brille.


Sie hat unheimlich tolle Controller - die zur Zeit besten erhältlichen VR Controller. Sie schmiegen sich perfekt in die Hände und haben an verschiedenen Punkten Sensoren, welche merken, wann mit dem Zeigefinger auf etwas zeigt - was die Person im Spiel, sofern unterstützt, ebenfalls macht. Man kann jedoch auch eine Faust bilden, die Hand komplett öffnen etc. - sofern es vom Spiel unterstützt wird.


Das Headset ist ebenfalls gut gestaltet. Es fühlt sich hochwertig an, die Kabellänge ist in Ordnung, könnte für manche jedoch länger sein, wie ich im Netz gelesen habe. Ein wenig seltsam finde ich hingegen, dass das Kabel an der Seite vom Headset geführt wird, statt über den Kopf wie bei der HTC Vive. Das eingebaute Mikrofon ist sehr gut, genau wie die eingebauten Köpfhörer einen klasse Sound haben. Modular ist generell die Oculus Rift eher nicht. Das Einzige, was man machen kann ist das Cover zu wechseln, durch ein Dritt-Hersteller Cover, und weitere Sensoren für das Room-Tracking zu kaufen.


Apropos Room-Tracking. In meinem Bundle waren bereits zwei Sensoren enthalten. Oculus selbst empfiehlt jedoch mindestens 3 Sensoren zu nutzen. 2 vorne-links und vorne-recht, 1 hinten-links/rechts. Die Erfahrung habe ich auch gemacht. Übergangs weise habe ich mit zwei Sensoren - 1 vorne-links und 1 hinten-rechts - Raumfüllende Spiele gespielt. Doch kam es immer mal wieder zu Verbindungsproblemen mit den Controllern, gerade wenn ein Körperteil doch beide Sensoren verdeckt hat. Mit einem dritten Sensor klappt das Ganze jedoch deutlich besser, fast perfekt. Ich muss hierzu jedoch zugeben, dass ich wahrlich nicht die besten Voraussetzungen für Room-Tracking habe. So ist der Raum recht klein und ich habe eine VR Fläche von rund 2,50m x 1,90m zur Verfügung. An 2 Wänden stehen jeweils 65 cm tiefe Arbeitsplatten und an einer weiteren Wand, wo auch die Tür ist, steht ein 55 cm tiefes Sideboard. Die Tracking-Sensoren hingegen hängen bei mir direkt unter der Decke direkt in den Ecken des Raums und zeigen zur Mitte des VR Bereichs. Sofern ich also im Spiel etwas vom Boden aufheben möchte, welches nach der Arbeitsplatte z.B. von meinem PC liegt, kann nur noch der eine Sensor hinten-rechts die Controller tracken. - In der nächsten Wohnung/Haus wird darauf geachtet, dass mein Hobbyraum deutlich größer ausfällt :D


Was mich im Hinblick auf die 3 Sensoren stört ist, dass ich hin und wieder im Oculus Tool Probleme habe, dass 1 Sensor eine schlechte Verbindungsqualität hat. Lösen konnte ich das Problem bisher in dem ich einmal das Kabel abgezogen und wieder neu gesteckt habe. Mein PC selbst liefert def. genug saft. An den Kabeln liegt es ebenfalls nicht und auch nicht an den Anschlüssen, da ich alles mehrfach gegen getestet und geprüft habe. Was mich zudem stört ist, dass jeder Sensor an den PC angeschlossen werden muss, damit diese funktionieren. Dies ist bei der HTC Vive mit ihren Lighthouse-Boxen deutlich besser gelöst, denn diese werden einfach nur mit Strom an der Steckdose angeschlossen, den Rest macht die Brille bzw. die Controller. Meine Oculus braucht durch die 3 Sensoren + die Brille insgesamt 4 USB Anschlüsse + 1 HDMI Port an der Grafikkarte. Gerade wenn man zur Konkurrenz von HTC schielt ist das schon deutlich mehr, denn diese braucht insgesamt nur einen einzigen USB Anschluss + 1 HDMI Port.


Würde ich die Oculus Rift stand heute, Sonntag den 21. Oktober 2018 erneut kaufen, wenn ich noch keine VR-Brille hätte?


Die Antwort ist ... nein! Doch warum? Nun dies hat ganz einfache Gründe. Die Technik in der Brille ist nicht mehr zeitgemäß. Egal ob es die Auflösung der Brille ist oder das FOV (Field of View). Die Auflösung ist noch recht grob und man erkennt, wenn man sich drauf konzentriert, sehr schnell das Fliegengitter. Dies macht es unmöglich einen Film im Virtuellen Kino wirklich zu genießen. Es ist zwar eine erste Erfahrung, welche definitiv Lust auf mehr macht, jedoch wird sich kaum einer einen 2 Stunden Film auf der Oculus Rift anschauen können, ohne dass ihn das Fliegengitter immer wieder auffällt. Zumal kleine Details in Filmen einfach untergehen, da sie noch zu unscharf aufgelöst sind. Mittlerweile gibt es die Vive Pro, diese hat bereits eine höhere Auflösung, welche sich spürbar auf die Schärfe von Texten und auch bei Filmen auswirkt. Jedoch muss man für diese Brille tief in die Tasche greifen. Beim bereits erwähnten FOV ist die Brille zwar NOCH auf der Höhe der Zeit, da sämtliche VR-Brillen aktuell ein recht ähnliches FOV von 110° aufweisen, so auch die HTC Vive und Vive Pro. Doch steht hier schon die nächste Entwicklungsstufe vor der Tür, welche den Taucherbrillen Effekt der jetzigen Brille entfernt und einen fast so großen Sichtradius wie das menschliche Auge aufweist, die Pimax 5k bzw. 8k. Die Brille weißt ein FOV von 200° in der Breite und auch in der Höhe ist natürlich mehr zu sehen. Laut ersten Erfahrungsberichten der Baker wirkt sich dieses "Mehr im Spiel sehen" deutlich auf die Immersion aus und man kann Dinge deutlich schneller erkennen, wenn sie auf einen zukommen. Ebenfalls ist die Auflösung bei den beiden Brillen gerade im Vergleich zur Oculus Rift deutlich höher, wodurch wieder Texte und Details deutlich besser lesbar bzw. erkennbar sind. Zudem wurde auch an den Linsen gearbeitet und so sollen bei der Pimax die God Rays (Überstrahlen von hellen Objekten und Texten in den Linsen, welche einen Blendeffekt erzeugen beim Menschlichen Auge - störend!) der Vergangenheit angehören.


Ich persönlich warte gerade drauf, dass man die Pimax als nicht Baker vorbestellen kann, bin jedoch sehr gespannt auf den Preis und hoffe, dass Sie die 5k Brille so bei rund 400-500€ ansetzen werden. Meine Oculus Rift werde ich die Tage verkaufen, da ich die HTC Vive mir nun bei Ebay geschossen habe. Warum dies? Nun die HTC Vive Controller und Lighthouse-Boxen können mit der Pimax genutzt werden und zum Start des Pimax wird es keine eigenen Controller/Boxen geben. Somit nun der Kauf der HTC Vive, sobald die Pimax dann bei mir ist, wird das Headset der Vive einzeln verkauft und fertig.


Was halte ich von Virtual Reality? Lohnt sich das generell schon jetzt oder sollte man noch warten?


Hier fällt mir eine Antwort wesentlich schwerer. Ich persönlich würde mich definitiv als VR Enthusiast bezeichnen. Ich habe einfach Bock auf die Technik, das wechseln in eine ganz andere Welt, sobald man die Brille aufsetzt. Zudem habe ich einfach auch Lust einen Film endlich in der VR zu schauen, statt am TV oder am PC Monitor. Ich würde zudem gern auf Monitore am PC komplett verzichten und meine Bildschirme nur noch Virtuell haben, dort dran im Internet surfen, mir Videos anschauen oder auch normale PC Spiele spielen. Doch dies geht zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht. Zu grob ist die Auflösung, zu klein das FOV - manche stören sich am Komfort der Brillen, ich selbst eher weniger. Ich denke das VR noch sehr viel Potenzial hat, doch habe ich auch schon jetzt sehr viel Spaß gehabt in dem, aufgerundet, einen Jahr, wo ich nun meine Oculus Rift habe. Ich hätte natürlich auch noch warten können, doch durch meinen Kauf unterstütze ich das Thema VR, genau wie durch die Käufe der Spiele, welche ich mittlerweile gekauft habe. Die Community wächst, der Markt wächst, das Potenzial wächst. Wenn jeder nur warten würde, wäre VR glaub ich schon längst wieder verschwunden und das wäre wirklich schade. Ich persönlich, kann jedem Interessierten nur raten ... holt euch ein Set eurer Wahl - aktuell würde ich entweder die Pimax holen, sobald als Bundle verfügbar mit Controller und Sensoren oder wenn man sofort ein VR System haben möchte, dann die Samsung Odyssey, welche eine Auflösung wie die Vive Pro hat, jedoch nur die Hälfte kostet und gleich schon mit 2 Controllern geliefert wird, zudem keine weiteren Sensoren benötigt. Sie ist jedoch nur über Import aus den USA zu beziehen.


Spiele gibt es bereits eine Menge, der Großteil ist ehrlich gesagt jedoch eher als Technik Demo zu bezeichnen. Jedoch sind unter den richtigen Titeln schon Sachen wie Skyrim dabei, welches mir in VR bisher definitiv am meisten Spaß gemacht hat. Da kam weder die Konsolen, noch die normale PC Version ran!


Die Zukunft von Virtual Reality ...


... sie wird spannend. Die Brillen werden noch höhere Auflösungen bekommen, das FOV wird dem menschlichen Auge 1:1 nachgestellt, die Brillen werden Kabellos, es werden keine Sensoren mehr benötigt, es wird Augen-Tracking kommen um den Hardware-Hunger zu reduzieren und noch vieles vieles mehr. Ich hoffe euch hat mein Artikel zur Oculus Rift und dem Ausschweifen auf das allgemeine Thema Virtual Reality gefallen, schreibt doch mal in die Kommentare, wie ihr zum Thema VR steht und ob ihr selbst schon Erfahrungen sammeln konntet.